Radio S
nnenschein
Mit riesigem Aufwand suchen Astronomen nach fremdem Leben im All. Alleine in den vergangenen dreieinhalb Jahren
haben sie mehr als 290 neue Planeten außerhalb unseres Sonnensystems – so genannte Exoplaneten – gefunden.
Die meisten bislang entdeckten Exoplaneten sind Gasriesen, auf denen lebensfeindliche Bedingungen vorherrschen. Als aussichtsreichster Kandidat für extraterrestrisches Leben in unserem
Sonnensystem gilt der Mars, weil die dortigen Bedingungen denen der Erde ähneln.
Leben auf dem
Mars?
2013 will die Europäische Raumfahrtbehörde ESA ein
eigenes Roboter-Labor – den ExoMars - zum Mars fliegen, das nach Spuren von organischen Molekülen suchen soll. Würden tatsächlich auf dem Mars Lebensspuren gefunden, wäre das ein deutliches Indiz
dafür, dass das Leben nicht nur einmal – wie auf der Erde – entstanden ist. Das könnte viel über den Ursprung des Lebens verraten, worüber die Wissenschaftler nach wie vor
rätseln.
Schattenbiosphäre auf
der Erde?
Doch ob Leben mehrfach entstanden ist, ließe sich womöglich sogar auf der Erde nachweisen. Vor einiger Zeit wagten amerikanische Wissenschaftler ein bizarr anmutendes Gedankenexperiment:
Außerirdisches Leben könnte vor langer Zeit auf die Erde gelangt sein und bis heute überlebt haben. Als eine Art Schattenbiosphäre. Die nicht auffällt, weil sie genauso aussieht wie unsere
bekannte Biosphäre, sich aber in ihren chemischen Eigenschaften grundlegend unterscheidet.
Links- und
rechtsdrehende Eiweiße
Diese zweite Biosphäre könnte nach
ihren Vermutungen nur im Reich der Bakterien existieren. Denn alle bislang bekannten Bakterien verwenden – genau wie alle anderen Lebewesen – für ihren Stoffwechsel fast ausschließlich
linksdrehende Eiweiße. Mit rechtsdrehenden können sie nichts anfangen. Der Grund dafür ist bis heute ein Rätsel. Das Leben in der Schattenbiosphäre – so die Idee - könnte aus rechtsdrehenden
Eiweißen aufgebaut sein. Auch wäre denkbar, dass es aus völlig anderen Eiweißen aufgebaut ist oder statt Kohlenstoff, ein anders Atom als zentralen Baustein nutzt – Silizium
etwa.
Extraterrestrisches
Leben in extremen Erdregionen?
Wenn überhaupt, so vermuten Wissenschaftler, könnten die fremden
Bakterien in extremen Umwelten wie Wüsten oder Salzseen noch existieren. Dass ein Transport von Leben durchs All theoretisch möglich ist, gilt inzwischen als sehr wahrscheinlich. Im Inneren eines
großen Meteoriten könnten komplexe organische Moleküle eine Reise durchs All überleben.
Allerdings, bislang ist die Schattenbiosphäre nur eine Idee, gefunden hat man noch keine "außerirdischen" Bakterien. Der Bremer Chemiker Wolfram Thiemann bezweifelt, wie viele andere
Wissenschaftler auch, dass man jemals welche findet. "Eine interessante Theorie", findet er, "nicht ausgeschlossen, aber wenig plausibel". Weil, so Thiemann, hätte es tatsächlich irgendwann eine
andere Biosphäre auf der Welt gegeben, sie wäre von der dominierenden – also unserer – wahrscheinlich aufgefressen worden.
Wolfram Thiemann hat mit seinen Kollegen ein Gerät entwickelt, das 2013 mit zum Mars fliegen soll und messen soll, ob Spuren von Leben – wenn es denn überhaupt welche gibt – rechts- oder
linksdrehend sind.
Entstehung des Lebens
ausschließlich durch Umweltfaktoren?
Wenn rechts- und linksdrehende Eiweiße in gleichem Maße vorhanden wären, würde das bedeuten,
dass sie wohl abiotisch entstanden sind, also keinen Hinweis auf vergangenes Leben liefern. Würde eine Drehrichtung der Eiweiße bevorzugt – so wie auf der Erde – wäre das ein deutliches Indiz
dafür, dass es zumindest Leben auf dem Mars gegeben hat. Denn die Bevorzugung einer Drehrichtung gilt inzwischen als unabdingbare Voraussetzung für Leben.
Hätten dann organische Moleküle dieselbe Drehrichtung wie auf der Erde, dann, so Thiemann, wäre es wahrscheinlich, dass das Leben im All gleichzeitig mit dem auf der Erde entstanden sein könnte.
Und vielleicht sogar doch durch den Weltraum gereist ist.
(Quelle: ESA/BR/werg)