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nnenschein
Drogennest und Todespflaster
Sie sind schnell, kommen aber meistens zu spät. Zollbeamtin und Steuerfrau Mijella Walker jagt
Drogenschmuggler an der zerklüfteten Südwestküste Irlands: "Wir kommen in diese kleine Bucht, weil der Pier nahe an einer Straße ist. Die Ladung lässt sich leicht von einer Yacht an Land bringen
und abtransportieren." Einsatz erfolglos beendet - wieder einmal.
Mit einem einzigen Schiff will der irische Zoll 6.000 Kilometer Küste überwachen. Kapitän Christy Fitzgerald weiß, wie seine Chancen stehen: "Wenn da draußen jemand beobachtet, wie wir nach Osten
fahren, der kann einfach nach Westen fahren. So gesehen ist die Küste löchrig, geradezu offen."
Kokain für über 500 Millionen Euro, das war der letzte große Fund. Höchstens zehn Prozent stellt der Zoll sicher. Meistens sind Schmugglerbanden erfolgreich. Banden, die immer mächtiger
werden.
Mafia-Methoden hinter
Postkarten-Fassade
Limerick ist eine Kleinstadt im
Westen Irlands, nah am Meer. Von hier wird der Drogenschmuggel organisiert, von hier werden die Drogen weitergeschafft nach Europa. Mit verheerenden Folgen. Ein Krieg zwischen zwei Drogenbanden
zerreißt die Stadt. Mafia-Methoden hinter Postkarten-Fassade.
Jimmy Collins ist eitel. Verdächtigt wird er als einer der Akteure im Drogenhandel. Trotzdem gibt er uns ein Interview: "Wenn einer von denen in unser Gebiet kommt, kann es sein, dass er ermordet
wird. Wir stoßen überall zusammen mit diesen Leuten und die Polizei kann uns nicht aufhalten."
Sein Freund Frankie wurde ermordet im Banden-Krieg. Collins zeigt uns stolz, wie er seines toten Freundes gedenkt.
David Hurley, Polizeireporter für den "Limerick Leader" warnt: "Er gehört zu einer sehr gefährlichen Gang, die mit vielen Morden in Verbindung gebracht wird. Mit dem würde ich mich nicht
anlegen."
Mehr Morde pro Kopf als in jeder anderen europäischen Stadt gibt es hier. Viele sind schwer bewaffnet, ohne Rücksicht auf Verluste. Auch Unschuldige sterben. Ihr
letztes Opfer: ein beliebter Rugby-Spieler, Shane Gheoghegan. Shane Gheoghegan war nach einem Spiel auf dem Heimweg. "Zwei Männer zielten auf ihn, weil sie ihn für jemand anderes hielten. Sie
schossen mehrmals auf ihn. Die Stadt hat sehr wütend und emotional reagiert", berichtet David Hurley.
Die Polizei ist
machtlos
Straßensperren - bewaffnete Spezialkräfte patrouillieren in der Kleinstadt.
In den Griff bekommen sie den Bandenkrieg nicht. John Devane vertritt Gangmitglieder vor Gericht. Er kennt die Akteure und weiß um die Machtlosigkeit der Polizei: "Die Polizei hat keine Ahnung,
wer als nächster umgebracht wird, oder wo der nächste Mord stattfindet. Und sie würden gern Täter beschuldigen, aber es gibt nur sehr wenig Festnahmen."
Auf freiem Fuß ist auch Jimmy Collins. Die andere Gang will in umbringen. Nur mit schusssicherer Weste geht er vor die Tür. Wie unschuldig ist einer, der sich brüstet, drei Patronen steckten in
seinem Bein? Auf offener Straße wurde er angeschossen, in Limerick fast schon Alltag. Collins zeigt uns Einschussloch Nummer neun.
Mächtige Clans kontrollieren die
Stadtviertel
Der Bandenkrieg dominiert Limericks Straßen.
Auf der einen Seite Jimmy, Mitglied des Dundon-Clans. Auf der anderen Seite die Familie Keane-Callopy. Und beide Seiten geben nichts auf Recht und Gesetz. Im Gegenteil. "Die Clans sind sehr
mächtig", erklärt Anwalt John Devane. "Wenn, wie geschehen, unbescholtene Bürger Verbrechen oder Drogenhandel anzeigen, denn werden ihre Häuser ausgebrannt und ihre Familien terrorisiert. Besser,
man hält den Mund, als im Grab zu enden."
Ganze Wohnviertel kontrollieren die Familienclans. Wer hier wohnt, spielt besser mit, als sich ihnen in den Weg zu stellen.
Die nächste Generation - bei einer von Limericks Drogenbanden finden manche von ihnen den Zuspruch, den sie zu Hause vermissen. "Den Kindern werden Waffen gegeben, zum Aufbewahren oder
Verstecken. Sie bringen Drogen oder Munition von einem Bandenmitglied zum nächsten. Und einige der Jungs sind sogar an Schießereien beteiligt", weiß Reporter David Hurley. Sie werden den
Bandenkrieg fortführen - wenn nicht irgendjemand die Fehde in den Griff bekommt.
Hier, vor der Südwestküste Irlands, könnten sie etwas bewirken. Der Zoll könnte Limericks Drogengangs trockenlegen. Aber nicht mit einem einzigen Boot.
Kapitän Christy Fitzgerald ist resigniert: "Da ist so viel Geld im Spiel, dass die Schmuggler besser ausgerüstet sind als wir. Wir können nur ein kleines Stückchen Küste kontrollieren. Das ist
eine Schlacht, die wir allein nicht gewinnen können."
Christy Fitzgerald wechselt den Kurs - Feierabend. Ohne Erfolg, wie so häufig. Nebel setzt ein. Es war wieder ein guter Tag für die Schmuggler und ein schlechter Tag für Limerick.
(Quelle: br/werg)